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Die Geschichte der AHV

23.10.2017 8:17
Die Geschichte der AHV

Die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) ist ein komplexes Gebilde: Als nationale Institution wird sie dezentral von kantonalen und branchenspezifischen Ausgleichskassen verwaltet. Die Finanzierung erfolgt aus Lohnabzügen, Bundesbeiträgen, Einnahmen der Mehrwertsteuer sowie der Alkohol-, Tabak- und Spielbankabgaben. Wir haben die wichtigsten Informationen der Geschichte der AHV für Sie zusammengefasst.

Bis ins 19. Jahrhundert hiess es: um erwerbsunfähige und betagte Menschen kümmern sich Familienangehörige, gemeinnützige Organisationen und die Kirche. Zusätzlich gab es eine unzureichende öffentliche Armenfürsorge. Zeitgleich zu den von Otto Bismarck eingeführten Sozialversicherungen in Deutschland in den Jahren 1883 bis 1889, wurden in der Schweiz dann mitunter durch die Massenarmut von Fabrikarbeiterfamilien verstärkt Forderungen nach Sozialversicherungen deutlich. 1890 folgte schliesslich die erste Schweizer Verfassungsgrundlage für eine Unfall- und Krankenversicherung. Bis zur Gesetzeseinführung vergingen allerdings über 20 Jahre: 1912 wurde das Gesetz zur Unfall- und Krankenversicherung  vom Volk befürwortet und eingeführt. Eine Verfassungsgrundlage für die AHV entstand 1925, eine erste Gesetzesvorlage scheiterte aber 1931 vor dem Volk.

Deutlich voran kam die Entwicklung der Sozialversicherung während des zweiten Weltkrieges (1939-1945): Der Bundesrat nutzte seine ausserordentlichen Vollmachten und schuf die Lohn- und Verdienstersatzordnung für Militärdienstleistende. Diese gilt heute als Erwerbsersatzordnung und  schuf hinsichtlich Organisation und Finanzierung die Grundlage der AHV. 1947 nahm das Volk schliesslich das Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung an, wonach es zum 1. Januar 1948 in Kraft trat.

Was hat sich seit der Einführung getan?

Seit 1948 gab es zu dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung insgesamt zehn Revisionen. So betrug die Minimalrente damals 40 Franken, was heute ca. 183 Franken entspricht. Gegenwärtig liegt Sie bei 1175 Franken. Zusammen mit den 1966 eingeführten Ergänzungsleistungen, hat die AHV-Rente das Ziel der Existenzsicherung, welche gleichzeitig in der Verfassung verankert ist.

Die 9. AHV-Revision beinhaltete mitunter die regelmässige Anpassung der Renten an die Teuerung- und Preisentwicklung. 1997 folgte die zehnte Revision mit einem Individualrentensystem sowie dem Einkommenssplitting. Demnach erhält jede Person unabhängig von ihrem Zivilstand eine eigene Rente und die Einkommen, die während einer Ehe erwirtschaftet werden, werden geteilt und gegenseitig angerechnet. Hinzu kamen auch Erziehungs- und Betreuungsgutschriften und die Einführung der Witwerrente.

Die Geschichte der AHV

2013 lancierte der schweizerische Gewerkschaftsbund die Volksinitiative „AHVplus: für eine starke AHV“. Ziel war eine Erhöhung künftiger und bestehender AHV-Altersrenten. Bundesrat und Parlament sprachen sich gegen die Initiative aus und auch das Volk lehnte diese ab. Im November 2014 überwies der Bundesrat die Botschaft zur Reform der Altersvorsorge 2020 ans Parlament, mit welcher das Leistungsniveau der Altersvorsorge mit einem umfassenden und ausgewogenen Ansatz gesichert werden sollte.

Die Anpassungen des Rentenalters

Das Rentenalter der Männer ist seit 1948 mit 65 Jahren unverändert geblieben. Hingegen wurde das Rentenalter der Frauen einige Male revidiert. 1948 galt für Frauen ein Rentenalter von 65 Jahren, eine Ehepaarrente galt allerdings auch wenn der Partner 65, die Frau aber 60 Jahre alt war. Mittels der 9. AHV-Revision wurde das Grenzalter der Frauen für die Ehepaarrente auf 62 Jahre aufgestockt. Nach der 10. AHV-Revision wurde das Rentenalter der Frauen weiter auf 64 Jahre erhöht. Zusätzlich wurde bei dieser Revision der Vorbezug der Rente ermöglicht. Inzwischen denkt jeder Dritte Schweizer an Frühpensionierung, wie eine von MoneyPark beauftragte Studie der GfK ergab.

Altersvorsorge 2020: Das war wohl nix

Für die Neuauflage der 11. AHV-Revision existiert der Vorschlag des Bundesrates, das Rentenalter der Frauen auf 65 Jahre anzuheben und Menschen in bescheidenen Verhältnissen bei der Frühpensionierung finanzielle Unterstützung anzubieten. Im Oktober 2010 wurde diese Revision allerdings vom Parlament abgelehnt. Zur Reform der Altersvorsorge 2020 wurde das Thema Rentenalter wieder aufgegriffen mit dem Referenzalter für Frauen und Männer von 65 Jahren als Ziel, sowie einem frei wählbaren Zeitpunkt der Pensionierung zwischen 62 und 70 Jahren. Bei einem Rentenbezug vor dem Referenzalter erfolgt eine Kürzung der Versicherung, wohingegen bei Rentenbezug nach dem Referenzalter ein Zuschlag gewährt wird. Am 24.09.2017 lehnt das Volk die Reform zur Altersvorsorge 2020 und auch die damit verbundene Erhöhung der Mehrwertsteuer ab. Durch dieses Nein zur Reform wird es nun wieder einige Jahre andauern, bis eine neue Lösung auf dem Tisch ist. Weitere Auswirkungen der abgelehnten Reform können Sie in unserem Fachbeitrag „Nein zur Altersvorsorge 2020 – Was sind die Auswirkungen?“ nachlesen.

Laut einer vom Institut Sotomo durchgeführten Analyse zur Abstimmung über die Altersvorsorge 2020, war für 39% der Nein-Stimmenden der 70-Franken-AHV-Zuschlag für Neurentner das Haar in der Suppe, obwohl dies ursprünglich ein Lockversuch der Befürworter war. Die Zukunft der AHV bleibt also weiterhin spannend.

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