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Scheidung: Das passiert mit der Hypothek

10.11.2016 1:55
Scheidung: Das passiert mit der Hypothek

Knapp jede zweite Schweizer Ehe wird geschieden. Doch was passiert mit der Hypothek und dem Eigenheim, wenn es zur Scheidung kommt? Wir klären Sie auf.

In der Schweiz werden aktuell 4 von 10 Ehen geschieden – fast die Hälfte davon in den ersten zehn Ehejahren. So die ernüchternden Fakten des Bundesamts für Statistik. Auch wenn es vollkommen unromantisch ist, sollten Sie das Risiko einer Scheidung beim Kauf des Eigenheims und insbesondere auch beim Abschluss Ihrer Hypothek in Ihre Entscheidung mit einbeziehen. Denn eine Trennung kann nüchtern betrachtet sehr, sehr teuer werden. Wir klären Sie auf.

Güterstand regelt viele Scheidungs-Details

Massgebend für den grössten Teil der finanziellen Aspekte einer Scheidung ist der vereinbarte Güterstand. Der häufigste Güterstand in der Schweiz (ca. 95% der Fälle) ist die so genannte Errungenschaftsbeteiligung. Diese gilt, sofern die Ehepartner nichts anderes vereinbaren.

Bei der Errungenschaftsbeteiligung gilt: Bei einer Scheidung teilen sich die Ehepartner die gemeinsamen Errungenschaften – sprich was nach Eheschliessung an Gehalt, Zinsen und Vorsorgebeiträgen erwirtschaftet wurde – je zur Hälfte. Haben Sie sich mit Ihrer Ex-Frau oder Ihrem Ex-Mann während der Ehe ein Haus gekauft, gehört dieses nun beiden je zur Hälfte.

Für Hypothekarschulden haften die Ehegatten bei einer Errungenschaftsbeteiligung zudem solidarisch. Dies bedeutet, dass beide Parteien für die gesamte Hypothek haftbar sind – und zwar unabhängig von ihren jeweiligen finanziellen Mitteln. Die Konsequenz: Im Scheidungsfall kann die Bank frei wählen, von wem sie den geschuldeten Hypo-Kredit und die fälligen Zinsen einfordert.

Knackpunkt Tragbarkeit

In den meisten Fällen kommt es im Zuge der Scheidung zum Verkauf der gemeinsamen Wohnung bzw. des gemeinsamen Hauses. Der Hauptgrund dafür ist, dass sich eine Partei allein die Zinsen für die Hypothek plus die Nebenkosten und ggf. Amortisationszahlungen oft nicht leisten kann. In der Schweiz gilt nämlich die Regel, dass Hypothekarnehmer maximal einen Drittel des Brutto-Haushaltseinkommens für die Wohnkosten aufwenden dürfen. Im Fachjargon spricht man von Tragbarkeitsanforderungen.

  • Ob vor oder nach der Scheidung: Mit Hilfe unseres Hypothekenrechners finden Sie schnell und einfach heraus, wie es um Ihre Tragbarkeit bestellt ist.

Teure Hypo-Auflösung nach der Scheidung

Kommt es aufgrund der Scheidung zu einer vorzeitigen Auflösung des Hypothekarvertrags, kann dies teure Folgen haben. Dann fällt nämlich in aller Regel eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung an, die sich an der verbleibenden Laufzeit bis zum regulären Ende der Hypothek sowie am aktuellen Zinsniveau und dem Zinsniveau bei Abschluss der Hypothek orientiert.

Ein Beispiel aus dem echten Leben: Das Ehepaar Zwyssig (Name geändert) kaufte sich 2011 ein Haus im Kanton Aargau für 1,2 Millionen Franken. Die Zwyssigs nahmen dafür eine Hypothek über 230’000 Franken auf. Anfang 2016 beschlossen die beiden, sich zu trennen – der Verkauf des Hauses war die logische Konsequenz. Bloss lief die Anfang 2011 abgeschlossene Festhypothek noch 5 weitere Jahre, sprich bis 2021.

Der vorzeitige Ausstieg aus der Hypothek kostete die beiden insgesamt 43‘740 Franken: Banken und Versicherungen verrechnen bei der Auflösung einer Hypothek vor Ende der regulären Laufzeit nämlich die gesamten nicht erzielten Zinserträge sowie eine zusätzliche Auflösungsgebühr. Manche Finanzinstitute verlangen heute zudem sogar eine Entschädigung für die Negativzinsen. Konkret kamen 36‘800 Franken Zinsen für die Restlaufzeit von 5 Jahren zu 3,2% Jahreszins zusammen, 500 Franken Auflösungsgebühr und eine Negativzins-Entschädigung von 6440 Franken. Ein happiger Betrag also.

Kurze Laufzeiten sind im Scheidungsfall besser

Im aktuellen Tiefzinsumfeld empfehlen wir zwar vielen unserer Kunden den Abschluss langer Hypo-Laufzeiten. Für diese spricht nebst der Planungs- und Budgetsicherheit über viele Jahre insbesondere die Tatsache, dass der Zins-Aufschlag für ein weiteres Jahr Laufzeit so klein ist wie nie zuvor (Stand: Zweites Halbjahr 2016).

Allerdings haben lange Laufzeiten im Fall einer Scheidung meistens hohe Kosten zur Folge. Man lerne: Mit der Wahl einer Hypothek mit kürzerer Laufzeit – und dazu gehören auch Libor-Hypotheken – nimmt das Risiko einer vorzeitigen Zwangsauflösung der Hypothek ab.

Achtung beim Einsatz von Vorsorgegeldern

Vorsicht ist übrigens auch beim Einsatz von Geldern aus der Pensionskasse geboten: Haben Sie für den Immo-Kauf Vorsorgegelder eingesetzt, müssen Sie diese bei einer Scheidung bzw. Trennung zurückführen.

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