Zinsprognose Mai 2017: Wechselhafte Zinsen prägen den April

02.05.2017 5:13
Zinsprognose Mai 2017: Wechselhafte Zinsen prägen den April

Zinsprognose Mai 2017: Der April zeigt sich nicht nur wettertechnisch launisch und wechselhaft. Auch die Zinsen schlagen teilweise heftig aus. Die 5-jährigen Festhypotheken legen eine regelrechte Achterbahnfahrt hin und steigen und fallen im Wochenrhythmus. Auch bei den 10-jährigen Festhypotheken zeigt sich ein starker Rückgang der durchschnittlichen Richtzinsen. Nur die kurzen Laufzeiten und die Libor-Hypothek zeigen sich unbeeindruckt und bleiben praktisch konstant.

Nach einem Anstieg der Richtzinsen im März fallen insbesondere die Zinsen für 10-jährige Festhypotheken im April wieder stark ab und verlieren im Vergleich zum Vormonat 11 Basispunkte. Die starken Bewegungen im Zinstableau zeigen nicht zuletzt, dass die Marktteilnehmer sehr unterschiedliche Einschätzungen zur Zinsentwicklung haben, aber auch dass die Banken und Versicherungen sehr verschiedene strategische und bilanztechnische Ziele verfolgen.

Zinsprognose

Datengrundlage: Richtzinsen von über 30 Banken und Versicherungen im Durchschnitt. Stand: 24.04.2017.

Gute Chancen für geschickte Verhandlungsführer und Marktbeobachter

Für den Hypothekarnehmer bedeutet dieses heterogene Marktumfeld einerseits Intransparenz, aber auch Chancenreichtum. Wer den Markt beobachtet und zum richtigen Zeitpunkt seine Konditionen fixiert, kann mit sehr kompetitiven Zinsen rechnen. Denn die Bewegungen im Zinstableau werden mehrheitlichen von den günstigen Anbietern getrieben. Während die teuersten Anbieter im Markt ihre Zinssätze unverändert lassen, senken mehrere bereits kompetitive Anbieter ihre Konditionen weiter und drücken somit auf die durchschnittlichen Schaufensterpreise.

Zinsprognose

Datengrundlage: Richtzinsen von über 30 Banken und Versicherungen im Durchschnitt. Stand: 24.04.2017.

Die langfristige Absicherung der Hypothek ist so günstig wie selten zuvor

Wer sich die günstigen Konditionen sichern möchte, kann dies derzeit für einen geringen Aufschlag tun. Der Zinsunterschied zwischen einer Libor-Hypothek und einer 10-jährigen Festhypothek sinkt im April von 56 Basispunkten auf 47 Basispunkte. Für gerade mal 0.47 Prozentpunkte Zuschlag kann sich der Hypothekarnehmer also die günstigen Konditionen auf die nächsten Jahre sichern. Oder anders ausgedrückt: Im Vergleich zu den günstigen langlaufenden Krediten sind die Libor-Hypotheken derzeit eindeutig überteuert.

Zinsprognose

Datengrundlage: Richtzinsen von über 30 Banken und Versicherungen im Durchschnitt. Stand: 24.04.2017.

Bewegung auch am Devisenmarkt

Eine baldige Beruhigung im Zinstableau ist derzeit wenig wahrscheinlich. Einerseits stehen weitere politische Entscheidungen an, die jeweils nicht nur die Devisen- sondern auch die Zinsmärkte durchschütteln können, andererseits zeigen auch die Swap-Raten derzeit keinen klaren Aufwärtstrend und schwanken teilweise stark. Am Devisenmarkt schlägt sich der Etappensieg des europafreundlicheren Macrons nieder und verhilft dem Euro zu einem neuen Höchststand. Für die SNB eine zumindest kurzfristige Erleichterung, waren die Deviseninterventionen der Nationalbank in den vergangenen Wochen doch mehrheitlich durch die anhaltende EZB Niedrig(st)zinspolitik und die Sorge um die Zukunft der EU getrieben. Ob die Verschnaufpause für den Schweizer Franken von Dauer ist und der Grundstein für eine zumindest mittelfristige Abkehr vom Anleihen-Aufkaufprogramm der EZB gegeben ist, wird sich noch zeigen und hängt nicht zuletzt von der konjunkturellen Entwicklung in der Eurozone ab. EZB Präsident Draghi war bis dato immer eindeutig: die Zinsen bleiben tief! Lesen Sie mehr zu den Konjunkturaussichten in unserem Q2 Investmentausblick für Europa.

Zinsprognose

Quelle: Thomson Reuters

Swap-Sätze lassen keinen eindeutigen Trendkanal erkennen

Seit Anfang Jahr beobachten wir schon einen Seitwärtstrend bei den Swap-Raten. Die Kreditabsicherungskosten schwanken gerade für langfristige Verbindlichkeiten teilweise signifikant. In den letzten Wochen sanken die Kreditabsicherungskosten, was nicht zuletzt die günstigen Konditionen bei langlaufenden Krediten ermöglicht hat, ein klarer Trendkanal ist derzeit jedoch nicht zu erkennen. Offenbar tun sich die Marktteilnehmer derzeit schwer, eine klare und konsistente Erwartungshaltung zu den zukünftigen Zinsentwicklungen zu bilden und reagieren teilweise stark auf konjunkturelle oder politische Neuigkeiten und Prognosen.

Zinsprognose

Quelle: Thomson Reuters

Zinskurve sinkt erstmals leicht

Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich die Zinskurve für die Laufzeiten zwischen 2 und 50 Jahren leicht nach unten verschoben. Der kontinuierliche Aufwärtstrend der Zinskurve im Monatsvergleich wurde somit erstmals durchbrochen. Ende März lag die Zinskurve (grün) noch über der aktuellen Zinskurve (orange), kommt damit aber nach wie vor über der Vorjahreskurve (blau) zu liegen. Dennoch scheint es eher unwahrscheinlich, dass wir hier eine Trendumkehr sehen. Wahrscheinlicher ist, eine kurzfristige Korrektur der Erwartungen der Marktteilnehme, die sich in einer leicht nach unten verschobenen Zinskurve ausrückt und die ultragünstigen Konditionen am Zinsmarkt ermöglichen.

Zinskurve

Quelle: Thomson Reuters Datastream

Die durchschnittlichen Hypotheken Referenzzinsen liegen per 24.04.2017 bei folgenden Ständen:

Hypothekarprodukt Durchschnittlicher Richtzins Delta zum Vormonat in bps
Libor-Hypotheken 1.08% 0
2-jährige Festhypotheken 1.17% – 1
5-jährige Festhypotheken 1.25% – 5
10-jährige Festhypotheken 1.55% – 11

Im Vergleich zum Vormonat sinken die Zinsen, insbesondere bei den langen Laufzeiten teilweise drastisch. Eine langfristige Absicherung der Hypothek ist derzeit äusserst günstig zu haben.

screenshot

Fazit: Starke Schwankungen im Zinstableau bieten Chancen für geschickte Verhandlungsführer

Der starke Einbruch bei den langlaufenden Festhypotheken lässt uns die Prognose für die langen Hypotheken etwas anpassen. Auch wenn wir klar an dem leicht anziehenden Zinskorridor für langfristige Krediten festhalten, ist doch in den nächsten Wochen mit verstärkten Bewegungen im Zinstableau zu rechnen und somit mit einer erhöhten Bandbreite von unterschiedlichsten Schaufensterkonditionen. Dies drückt sich in dem relativ breiten Zinskorridor aus, der für Verhandlungstaktiker aber auch eine ganze Klaviatur an attraktiven Zinskonditionen und Hypostrategien bereithält.

Zinsprognose

Datengrundlage: Richtzinsen von über 30 Banken und Versicherungen im Durchschnitt. Stand: 24.04.2017.

Wer derzeit nach einer Finanzierung sucht oder die bestehende Hypothek ablösen möchte, ist gut beraten, die Konditionen zu beobachten und gut zu verhandeln respektive sich hierbei professionell unterstützen zu lassen. Die Chancen sehr kompetitive Zinsen zu realisieren, sind derzeit äusserst gut.

Hypothekarprodukt Durchschnittlicher Richtzins (per 24. April  2017) 3M Zinsband (Durchschnitte) 6M Zinsband (Durchschnitte) 12M Zinsband (Durchschnitte)
Libor-Hypotheken 1.09% 1.06% – 1.16% 1.07% – 1.18% 1.08% – 1.21%
2-jährige Festhypothek 1.19% 1.14% – 1.22% 1.14% – 1.23% 1.15% – 1.25%
5-jährige Festhypothek 1.27% 1.23% – 1.32% 1.23% – 1.32% 1.35% – 1.34%
10-jährige Festhypothek 1.60% 1.53% – 1.72% 1.57% – 1.73% 1.61% – 1.79%

Möchten Sie auf professionelle Unterstützung zurückgreifen, dann kontaktieren Sie unsere Berater und lassen Sie sich in einer der aktuell 20 MoneyPark Filialen unabhängig beraten und erhalten Sie den umfangreichsten Überblick über den Schweizer Hypothekenmarkt.

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