Zinsprognose bis Juni 2022 – Hypothekarzinsen bleiben tief

von / 08 Februar 2021
langfristige Zinsprognose

Unsere Zinsprognose: Wir sehen bis Mitte 2022 weiterhin ein Negativzinsumfeld und Hypothekarzinsen, die nahe dem heutigen Niveau liegen. Denn die konjunkturelle Erholung dürfte aufgrund der erneuten, Corona-bedingten Einschränkungen noch bis Mitte 2021 auf sich warten lassen. Leitzinserhöhungen sind in weiter Ferne, da es kaum Inflation gibt und die massiv gestiegene Verschuldung der Staaten – zur Abwendung noch grösserer makroökonomischer Verwerfungen – einen Anstieg der Leitzinsen weltweit untragbar macht. Ausserdem führt der stärker werdende Konkurrenzkampf unter den Hypothekaranbietern zu tieferen Preisen.

Zinsprognose bis Juni 2022 – Ausblick

Entwicklung Schweizer Wirtschaft

Aufgrund der erneuten (Teil-)Shutdowns anfangs 2021 müssen in ganz Europa wieder deutliche Einbussen in der Wirtschaftsleistung hingenommen werden. Diese werden aber im Vergleich mit dem ersten Shutdown anders bewertet, denn damals war rund die Hälfte des Wirtschaftseinbruchs auf das Geschäft mit dem Ausland zurückzuführen gewesen. Nun sind aber die Grenzen, wenn auch mit Beschränkungen, geöffnet und der Aussenhandel läuft gut. Auch die Unternehmen haben sich offenbar besser auf die Situation eingestellt. Helfen dürfte zudem, dass darauf vertraut wird, dass eine raschere Impfstrategie die Lage ab Sommer 2021 zusehends entspannt.

Im Moment gehen die Ökonomen davon aus, dass das Schweizer Bruttoinlandprodukt 2020 insgesamt um rund 3.5 Prozent gesunken ist. 2021 kann dieser Rückgang gemäss der neusten Prognose der KOF (Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich) mit einem Wachstum von 2.1 Prozent nur teilweise kompensiert werden.

Entwicklung Hypothekarzinsen

Der Ausbruch der ersten Corona-Welle anfangs März liess die hiesigen Hypothekarzinsen kurzzeitig massiv in die Höhe schnellen. Als Zentralbanken und Regierungen rasch Geld in den Markt gepumpt hatten und dadurch eine Erholung einsetzte, sanken die Hypothekarzinsen jedoch rasch wieder. Die kurz- und mittelfristigen Laufzeiten unterschritten Ende 2020 sogar das Allzeittief vom August 2019 und notieren nun teilweise signifikant unter dem Zinssatz einer Geldmarkt-Hypothek.
Unserer Zinsprognose zufolge erwarten wir aufgrund mehrerer Faktoren in den nächsten Monaten keinen signifikanten Anstieg des Hypothekarzinsniveaus:

  • Leitzinserhöhungen sind in weiter Ferne, da die Verschuldung der Staaten Corona-bedingt weiter massiv angestiegen ist und es kaum Inflation gibt, welche die Preisstabilität bedrohen würde.
  • Die Stabilität des Schweizer (Wohn-)Immobilienmarktes dürfte weiterhin tiefe Risikoprämien bewirken. Und obwohl die Arbeitslosigkeit in der Schweiz Corona-bedingt gestiegen ist, bleibt das Risiko für einkommensbedingte Kreditausfälle beherrschbar.
  • Aufgrund des Anlagenotstandes vergeben immer mehr alternative Investoren Hypotheken, was den Konkurrenzkampf unter den Anbietern erhöht.
  • Die Aktienmärkte weltweit entwickeln sich nicht zuletzt infolge der massiv gestiegenen Sparquoten und Vermögenshöchststände weiterhin ungetrübt bullish, d.h. es ist unwahrscheinlich, dass Liquiditätsabflüsse aus den Aktienmärkten auf die Obligationen- und Zinsrenditen drücken.

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Entwicklung Eigenheimpreise

Der Ausbruch der Corona-Krise hat im Frühling 2020 nur kurzzeitig zu einem tieferen Transaktionsvolumen von Immobilien geführt. Im dritten Quartal 2020 erholte sich der Markt bereits: Die Anzahl Transaktionen nahmen gegenüber dem Vorquartal um 20 Prozent zu. Die Corona-Krise konnte den seit Jahren moderaten Preisanstieg von Eigenheimen nicht stoppen. Wir rechnen damit, dass der Wohneigentumsmarkt auch weiterhin von der starken Nachfrage profitiert, da die stabilen Werte eines Eigenheims nochmals an Bedeutung gewonnen haben und anhaltende Home-Office-Regelungen die Wohnraumnachfrage verändern und so zusätzliche Marktdynamik kreieren.

Treiber des Hypothekarzinses

Konjunktur- und Zinsentwicklung weltweit

Die Schweiz ist als exportorientiertes Land in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung in hohem Masse von der Weltwirtschaft und insbesondere von der EU abhängig. Sie ist unser wichtigster Handelspartner, und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat direkten Einfluss auf den Wechselkurs EUR/CHF. Für unsere Prognose beleuchten wir daher insbesondere auch die Situation in der EU.

Folgende Indikatoren sind relevant:

  • Geldpolitik der US-amerikanischen Notenbank (Fed), der EZB und der SNB
  • Politische Diskussionen (z.B. weltweite Wege aus der Corona-Krise, Rahmenabkommen Schweiz/EU, Verlauf des Brexit etc.)
  • Entwicklung des Bruttoinlandproduktes, der Inflation, der Verbraucherpreise sowie des Einkaufsmanagerindexes
  • Entwicklung der Schweizer Arbeitslosenquote

Entwicklung Hypothekarzinsen

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Zinsprognose: Kein Ende der Negativzinsen absehbar

Nach der Finanzkrise 2009 senkten die Notenbanken die Zinsen weltweit massiv, um mit günstigem Geld die Wirtschaft anzukurbeln. Die Zinserhöhungen der US-Notenbank in den letzten Jahren wurden seit dem Ausbruch der Corona-Krise wieder rückgängig gemacht – der Leitzins in den USA liegt mittlerweile ebenfalls bei null Prozent. Auch die EZB wird voraussichtlich ihren Leitzins weit über 2021 hinaus bei null Prozent belassen, was der SNB den Spielraum für Zinserhöhungen nimmt. Nach der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze zum Euro anfangs 2015 musste die SNB die kurzfristigen Zinsen massiv in den negativen Bereich drücken, um den Franken gegenüber dem Euro nicht noch stärker werden zu lassen. Der SNB-Leitzins liegt daher bei −0.75 Prozent. Jede Annäherung des Schweizer Leitzinses an denjenigen der EU wertet den Franken gegenüber dem Euro noch stärker auf, was wiederum unsere Exportwirtschaft negativ beeinflussen würde. Aufgrund dieses Abhängigkeitsverhältnisses bleibt der SNB ein Ausweg aus dieser Negativzinssituation weiterhin verwehrt.

Hypothekarmodelle

Welche Hypothek soll ich wählen?

Welches Hypothekarmodell Sie wählen, hängt nicht nur vom aktuellen Zinsniveau und der Zinsprognose ab, sondern auch von Ihrer persönlichen Situation und Ihrer Risikofähigkeit und -toleranz. Kurzfristige Hypotheken sind aktuell auch weiterhin nicht viel günstiger als langfristige. Wer heute eine fünfjährige Hypothek abschliesst und diese bei Fälligkeit verlängert, geht das Risiko ein, dass dies nur zu (deutlich) höheren Zinsen möglich sein wird. Mit einer langfristigen Hypothek reduzieren Sie dieses Risiko und haben hohe Plan- und Budgetsicherheit, sind aber länger an Ihr Finanzierungsinstitut gebunden.

Grundsätzlich raten wir Ihnen von einer willkürlichen Staffelung von verschiedenen Hypothekarlaufzeiten mit mehr als zwei Jahren Laufzeitendifferenz ab. Denn dadurch binden Sie sich ungewollt an Ihr Finanzierungsinstitut, ohne die Möglichkeit zu haben, bei einer Verlängerung der Hypothek den Anbieter wechseln zu können.

Festhypothek

Eine Festhypothek wird mit einem fix definierten Zinssatz und für eine gewisse Laufzeit abgeschlossen, normalerweise für zwei bis zehn Jahre. Immer mehr Anbieter offerieren auch längere Laufzeiten bis zu 25 Jahre mit zum Teil attraktiven Ausstiegsoptionen. Der Zinssatz bleibt während der gesamten Laufzeit unverändert, unabhängig von der Entwicklung der Hypothekarzinsen am Markt. Die Beliebtheit von sehr langfristigen Festhypotheken nahm in den letzten Jahren laufend zu. Einerseits aufgrund der historisch tiefen Zinsen, andererseits aufgrund der flachen Zinskurve. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen.

Eine Festhypothek kann je nach Anbieter bis zu zwei Jahre vor Laufzeitbeginn abgeschlossen werden. Dies ermöglicht die vorzeitige Fixierung der Hypothek zu den aktuell gültigen Zinssätzen gegen Bezahlung eines Forward-Zuschlages. Ein Forward-Abschluss macht also dann Sinn, wenn steigende Hypothekarzinsen erwartet werden. Gewisse Institute bieten gegenwärtig vorzeitige Fixierungen mit keinem oder nur geringen Zuschlägen an.

Geldmarkt-Hypothek

Bei einer Geldmarkt-Hypothek werden die Zinsen während der Laufzeit der Hypothek regelmässig angepasst, üblicherweise alle drei Monate. Der Hypothekarzinssatz setzt sich dabei aus einem Referenzzinssatz und einer Marge zusammen. Die Geldmarkt-Hypothek wird meist in einem zwei- bis fünfjährigen Rahmenkreditvertrag abgeschlossen. Bisher diente der Libor als Referenzzinssatz für Geldmarkthypotheken. Da dieser jedoch per Ende 2021 eingestellt wird, wechseln die Hypothekaranbieter nun schrittweise zum Saron (Swiss Average Rate Over Night) als Basis zur Berechnung des Hypothekarzinssatzes. Dabei ändern sie auch oft die sonstigen Vertragsbestimmungen: Bei gewissen Anbietern ist die Grundlaufzeit bei der Saron-Hypothek wesentlich kürzer, als sie bei der Libor-Hypothek war. Dies ermöglicht Ihnen eine gewisse Flexibilität im Hinblick auf die Rückzahlung der Hypothek, die Umschichtung in ein anderes Hypothekar-Modell oder das Wechseln des Anbieters.

 

Hier können Sie die Prognose als PDF downloaden: Zinsprognose bis Juni 2022.

***Aktualisierte Version: langfristige Zinsprognose***

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