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Wieso gibt es Zinsen?

20.06.2016 9:29
Wieso gibt es Zinsen?

Wer einen Kredit aufnimmt – z.B. für ein Auto oder die eigenen vier Wände –, zahlt dafür Zinsen. Doch warum eigentlich? Hier finden Sie die Antwort.

Im unserem Leben sind Zinsen so alltäglich, dass wir sie selten hinterfragen. Doch wieso gibt es Zinsen überhaupt? Weshalb zahlen wir Geld, wenn wir uns „auf Pump“ ein Auto kaufen oder uns den Traum des Eigenheims erfüllen? Gehen wir der Sache auf den Grund.

Zinsen auf der Insel

Stellen Sie sich zwei Schiffbrüchige vor, die zusammen auf einer Insel gestrandet sind. Nennen wir sie Stefan und Michael. Beide leben notgedrungen vom Fischfang und kommen damit mehr schlecht als recht über die Runden: Ständig plagt sie der Hunger. An einem Morgen klagt Stefan über Bauchkrämpfe – ans Fischen mag er nicht einmal denken. Doch essen muss er trotzdem. Also vereinbaren die beiden, dass Michael seinem Strandnachbarn heute einen Fisch seines Fangs abgibt. Dafür verspricht Stefan, Michael tags darauf eineinhalb Fische zurückzugeben. „Nur fair“, murmelt Stefan und die beiden schütteln die Hände.

Das Beispiel verdeutlicht: Zinsen sind nicht bloss der Preis des Geldes, sondern der Preis für zeitlich vorgezogenen Konsum. Schliesslich würde Michael heute gerne seinen ganzen Fang essen, um sich abends nicht mit knurrendem Magen auf seine Palmwedel legen zu müssen. Doch die Aussicht, am nächsten Tag endlich wieder einmal richtig satt zu werden, überzeugt ihn. Die zugrundeliegende „temporale Kapitaltheorie“ besagt, dass wir Menschen heutigen Konsum als kostbarer bewerten als den gleichen Konsum morgen. Deshalb müssen wir mit einer Verzinsung entschädigt werden, wenn wir heute etwas entbehren (Ökonomen sprechen hierbei auch von Opportunitätskosten). Ebenso werden wir mit Mietzinsen entschädigt, wenn wir das Recht abtreten, in unserer eigenen Wohnung zu leben.

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Kredite ermöglichen Investitionen

Ein weiterer, entscheidender Grund für die Existenz von Zinsen liegt im Unternehmertum: Zurück auf der Insel entschliesst sich Stefan, trotz seiner Bauchkrämpfe ein Fischernetz zu knüpfen. Und siehe da: Am nächsten Tag holt er damit doppelt so viele Fische aus dem Meer wie mit seiner improvisierten Angel. Nun kann er Michael seine Schulden ohne weiteres zurückzahlen. Damit schliesst sich der Kreis: Um Investitionen tätigen zu können, muss jemand eine Weile auf ansonsten möglichen Konsum verzichten – und der Anreiz bzw. die Belohnung dafür ist eben der Zins.

Lesen Sie hier die neuste Zinsprogose von MoneyPark.

Hier finden Sie eine Übersicht über die historische Hypozins-Entwicklung.

Zinsen entschädigen auch für Risiken

Erlauben wir uns ein anderes Szenario: Während Michael mit dem Fischfang beschäftigt ist, verschlechtert sich Stefans Situation dramatisch. Am Ende des Tages liegt er tot am Strand. Nicht nur hat Michael seinen einzigen Freund verloren, sondern auch die Aussicht auf Rückzahlung seines Fisch-Kredits. Der Zins berücksichtigt eben immer auch dieses Risiko. Es gilt die Regel: Je höher das Risiko, desto höher ist (meistens) auch der Zins. Das gilt übrigens auch bei Hypotheken: „Gute“ Schuldner erhalten von Banken und Versicherungen häufig Zins-Rabatte.

Erfahren Sie mehr dazu in unserem Fachartikel „Zins-Rabatt: Was ist bei Hypotheken möglich?“.

Kompensation für Inflation

Um Geldhorten uninteressant zu machen und die Wirtschaft anzukurbeln, versuchen die Notenbanken, das Geld über die Zeit massvoll zu entwerten. Im Fachjargon spricht man von Inflation. Die Schweizerische Nationalbank SNB versucht z.B., die jährliche Geldentwertung zwischen 0 und 2 Prozent zu halten. Stark vereinfacht gesagt tut sie dies, indem sie jedes Jahr ein bisschen mehr Geld druckt. Zinsen kompensieren auch dafür; schliesslich will der Kreditgeber mit dem Geld, das er morgen zurückbezahlt bekommt, mindestens dieselbe Menge an Konsum bezahlen können wie heute. Entsprechend gilt: Steigt die Inflation, profitieren Schuldner, sinkt sie, freuen sich die Gläubiger.

Fachleute nutzen in diesem Zusammenhang die etwas sperrigen Begriffe „nominaler“ und „realer“ Zins: Nominal sind diejenigen Zinsen, die auf dem Kreditvertrag stehen – also z.B. ein Jahreszins von 1,5 Prozent für eine Festhypothek mit Laufzeit 10 Jahre. Der reale Zins ist dieser Zins abzüglich der Inflation: Entwertet sich das Geld jedes Jahr um 1 Prozent, zahlen Sie als Kreditnehmer unterm Strich „real“ nur 0,5 Prozent Zinsen.

Fazit: Ohne Zinsen läuft nichts

Wir haben gelernt, dass Zinsen nicht nur auf unserer Insel, sondern auch in Ihrem Leben eine Reihe wichtiger Funktionen erfüllen:

  • Sie sind Ersatz für die Verschiebung von Konsum von heute auf morgen.
  • Sie sorgen dafür, dass in Dinge investiert wird, die einen grösstmöglichen Nutzen bringen.
  • Sie sind eine Entschädigung für das Risiko, dass der Schuldner den Kredit nicht zurückzahlt.
  • Sie kompensieren im Normalfall die Inflation.

Kurzum: Auch wenn die Zinsen bisweilen verteufelt werden und deshalb in der Geschichte schon mehrmals verboten waren, so läuft doch in unserer Wirtschaft heute kaum mehr etwas ohne sie.

Wieso gibt es Zinsen?

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