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Vom Libor zum Saron – die zehn wichtigsten Fragen

10.12.2020 1:55
Vom Libor zum Saron – die zehn wichtigsten Fragen

2019 informierte die Schweizerische Nationalbank (SNB) über die Einführung des SNB-Leitzinses. Dieser löste das Zielband für den dreimonatigen Libor-Satz ab, der 2021 abgeschafft wird. Doch für was stehen all diese Sätze, welchen Einfluss haben sie auf geldmarktbasierte Hypotheken und was bedeutet das für Hypothekarnehmer? MoneyPark beantwortet die zehn drängendsten Fragen.

1. Der neu eingeführte SNB-Leitzins – wozu dient er?

Die SNB gab an einer ihrer geldpolitischen Lagebeurteilungen 2019 die Einführung des SNB-Leitzinses bekannt. Dieser ersetzt den Libor (London Interbank Offered Rate), der bisher als Leitzins in der Schweiz diente. Festgelegt wurde dieser jedoch nicht direkt durch die SNB, sondern wurde durch das von ihr definierte Zinsband, das bisher bei –0.25 bis –1.25 Prozent lag, in die gewünschte Richtung gesteuert. Den SNB-Leitzins bestimmt die SNB nun selbst und legt ihn daher nicht mehr als Zinsband fest, sondern definiert ihn als fixen Satz von –0.75 Prozent. Mittels geldpolitischer Geschäfte steuert sie den Tagesgeldsatz Saron (Swiss Average Rate Overnight – siehe Frage 3) auf das Niveau des SNB-Leitzinses. Der Liborsatz hat daher als Leitzins der Schweizer Geldpolitik ausgedient.

2. Weshalb wird der Libor-Satz abgeschafft?

2011 wurde der Skandal um den weltweit wichtigsten Referenzzinssatz, den Libor, öffentlich bekannt. Dieser Satz wird täglich festgelegt, basiert aber nicht auf den tatsächlichen Transaktionen, sondern auf Meldungen der beteiligten Banken, die Kredite für eine entsprechende Periode vergeben, häufig für drei Monate. Diese Meldungen wurden von den Banken 2011 zu ihren Gunsten manipuliert, was den Libor seine Reputation und auch Legitimität gekostet hatte. Die britische Finanzaufsichtsbehörde hat daraufhin entschieden, das Weiterbestehen des Libor nur noch bis Ende 2021 durchzusetzen. Bis spätestens 2022 musste also nicht nur ein Nachfolgeprodukt für den Libor als Leitzins in der Schweiz gefunden werden, sondern auch als Basis für die geldmarktbasierten Hypotheken.

Der Grund für die Einführung des SNB-Leitzinses ist die Abschaffung des Liborsatzes per Ende 2021 (siehe Frage 2). Ihren Inflationsprognosen für die nächsten drei Jahre legt die SNB ihren Leitzins zugrunde, der für die Prognose jeweils für den gesamten Prognosezeitraum unverändert bleibt. Da der Libor per Ende 2021 abgeschafft wird, musste die SNB bereits drei Jahre früher einen Ersatz bereitstellen, um ihre Prognosen weiterhin leitzinsbasiert kommunizieren zu können.

3. Was ist der Saron und wer berechnet ihn?

Anders als beim Libor wird der Preis des Saron über eine Plattform bei der Schweizer Börse ermittelt. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich um einen Tagesgeldsatz, der – anders als der missbrauchsanfällige Libor – auf tatsächlichen Transaktionen und Preisstellungen und nicht nur auf Abmachungen zwischen den Banken basiert. Der Saron ist somit wesentlich transparenter. Das Ziel der SNB ist es, den Saron mittels geldpolitischer Aktivitäten zukünftig nah am SNB-Leitzins zu halten.

4. Was ist der Unterschied zwischen dem Saron und dem Libor?

Der Saron und der Libor unterscheiden sich vor allem in zwei Aspekten: Während der Saron auf tatsächlichen Transaktionen und Preisen basiert, wird der Libor aus den Abmachungen zwischen den Banken errechnet. Ausserdem ist der Saron ein Tagessatz, hat also eine Laufzeit von einem Tag resp. einer Nacht. Der Libor hingegen ist der Zinssatz für die Ausleihung von Geldern für eine gewisse Laufzeit, meistens drei Monate.

Trotzdem haben sich die beiden Sätze in den vergangenen Jahren auf gleichem Niveau bewegt, und sind nur ab und zu um ein bis zwei Basispunkte voneinander abgewichen. Das ist sicherlich auch dem tiefen Zinsniveau geschuldet. Im Falle einer abrupten Zinswende wäre es möglich, dass sich die beiden Sätze voneinander wegbewegen. Von einer Zinswende sind wir jedoch noch weit entfernt.

5. Wird aus der Libor-Hypothek zwangsläufig eine Saron-Hypothek?

Mit der Einführung des SNB-Leitzinses und dem darauf basierenden Saron hat die SNB klar Stellung dazu genommen, welcher Richtsatz künftig als Referenz für das Schweizer Zinsniveau dienen soll. Doch die Ausgestaltung einer zukünftigen Geldmarkt-Hypothek wird von den einzelnen Hypothekarinstituten selbst definiert und noch nicht alle Anbieter offerieren bereits Saron-Hypotheken. Eine von MoneyPark durchgeführte Analyse der wichtigsten Hypotheken-Anbieter zeigt, dass bisher erst rund zehn Finanzinstitute eine Saron-Hypothek am Markt lanciert haben. Zudem nutzen bisher nur vereinzelte Anbieter die Einführung des Saron für Produktinnovationen, während die meisten die Rahmenbedingungen ihrer auslaufenden Libor-Hypotheken übernehmen. 

6. Wann wird von Libor auf Saron gewechselt?

Spätestens Ende 2021, wenn der Libor-Satz das letzte Mal bestimmt wird, werden die Libor-Hypotheken definitiv abgeschafft resp. ersetzt. Einige Finanzinstitute offerieren momentan keine Geldmarkt-Hypotheken, so lange die Nachfolgelösung noch nicht vollständig definiert ist.

7. Wie gestaltet sich eine Saron-Hypothek?

Eine Saron-Hypothek ist und bleibt eine Geldmarkt-Hypothek und weist daher eine sehr ähnliche Funktionsweise auf wie die bisherigen Libor-Hypothek. Der für Sie als Hypothekarnehmer gültige Zins berechnet sich aus der Summe von Saron und der mit dem Finanzierungsinstitut vereinbarten Marge. Der Saron bildet die Grundlage und kann für die Berechnung nie kleiner als Null sein. Dazu kommt die individuelle Marge.

8. Wie lange bleibt der Saron negativ?

Momentan (März 2021) liegt der Saron, bei -0.73 Prozent und schwankte diesen Jahres bloss um 1 BPS (0.01%). Die SNB äusserst sich hinsichtlich des weltweiten Wirtschaftswachstums aufgrund der Corona-Krise weiterhin vorsichtig und wird den neu eingeführten SNB-Leitzins weiterhin tief halten. Wir erwarten, dass der Saron bis tief ins Jahr 2021 hinein negativ bleiben wird.

9. Wie betrifft mich die Umstellung als Besitzer einer Libor-Hypothek?

Ihr Hypothekarvertrag wird im Rahmen der vordefinierten Laufzeit (meist drei Jahre) weiterlaufen. Falls die Abschaffung des Libor Ende 2021 dazwischen fällt, Ihre Hypothek also länger als 2021 läuft, wird sich der Basiszinssatz Ihrer Libor-Hypothek verändern. Dies bringt eine gewisse Unsicherheit mit sich. Sie sollten bei einer allfälligen Anpassung des Hypothekarvertrages unbedingt darauf achten, dass die Marge unverändert bleibt. Grundsätzlich sieht der Gesetzgeber vor, dass eine solche Vertragsänderung nicht zu Ihrem Nachteil gereichen darf.

10. Was mache ich, wenn ich jetzt eine Geldmarkthypothek abschliessen will?

Es gibt bereits einige Finanzierungsinstitute, die Saron-Hypotheken anbieten (siehe: Die Saron-Hypotheken kommen). Als Produkt-Alternative bieten sich Festhypotheken an. Denn auch Festhypotheken ermöglichen immer öfters eine gewisse Flexibilität: Mittlerweile gibt es Anbieter (z.B. Pensionskassen), welche insbesondere bei Festhypotheken mit langen Laufzeiten einen sehr kostengünstigen oder gar einen Gratisausstieg bei Verkauf des Eigenheims bieten. Andere Anbieter bieten bei Abschluss einer Festhypothek eine Switch-Option, welche während der Laufzeit der Festhypothek jederzeit den Umstieg in eine länger laufende Festhypothek ermöglicht, sofern der neue Zinssatz höher ist. Ein sorgfältiger Vergleich verschiedenster Angebote auf dem Markt ist empfehlenswert, um die auf die persönliche Situation zugeschnittene, optimale Finanzierung zu finden.
  


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