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Vom Libor zum Saron – die zehn wichtigsten Fragen

und 18.06.2019 3:20
Vom Libor zum Saron – die zehn wichtigsten Fragen

Letzte Woche informierte die Schweizerische Nationalbank (SNB) über die Einführung des SNB-Leitzinses. Dieser löst ab sofort das Zielband für den dreimonatigen Libor-Satz ab, der 2021 abgeschafft wird. Doch für was stehen all diese Sätze, welchen Einfluss haben sie auf geldmarktbasierte Hypotheken und was bedeutet das für Hypothekarnehmer? MoneyPark beantwortet die zehn drängendsten Fragen.

1. Der neu eingeführte SNB-Leitzins – wozu dient er?

Die SNB gab letzte Woche an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung die Einführung des SNB-Leitzinses bekannt. Dieser ersetzt ab sofort den Libor (London Interbank Offered Rate), der bisher als Leitzins in der Schweiz diente. Festgelegt wurde dieser jedoch nicht direkt durch die SNB, sondern wurde durch das von ihr definierte Zinsband, das bisher bei –0.25 bis –1.25 Prozent lag, in die gewünschte Richtung gesteuert. Den neu eingeführten SNB-Leitzins bestimmt die SNB nun selbst und legt ihn daher nicht mehr als Zinsband fest, sondern definiert ihn als fixen Satz von –0.75 Prozent. Mittels geldpolitischer Geschäfte steuert sie den Tagesgeldsatz Saron (Swiss Average Rate Overnight – siehe Frage 3) auf das Niveau des SNB-Leitzinses. Der Liborsatz hat daher als Leitzins der Schweizer Geldpolitik ausgedient.

2. Weshalb wird der Libor-Satz abgeschafft?

2011 wurde der Skandal um den weltweit wichtigsten Referenzzinssatz, den Libor, öffentlich bekannt. Dieser Satz wird täglich festgelegt, basiert aber nicht auf den tatsächlichen Transaktionen, sondern auf Meldungen der beteiligten Banken, die Kredite für eine entsprechende Periode vergeben, häufig für drei Monate. Diese Meldungen wurden von den Banken 2011 zu ihren Gunsten manipuliert, was den Libor seine Reputation und auch Legitimität gekostet hatte. Die britische Finanzaufsichtsbehörde hat daraufhin entschieden, das Weiterbestehen des Libor nur noch bis Ende 2021 durchzusetzen. Bis spätestens 2022 musste also nicht nur ein Nachfolgeprodukt für den Libor als Leitzins in der Schweiz gefunden werden, sondern auch als Basis für die geldmarktbasierten Hypotheken.

Der Grund für die (jetzige) Einführung des SNB-Leitzinses ist die Abschaffung des Liborsatzes per Ende 2021 (siehe Frage 2). Ihren Inflationsprognosen für die nächsten drei Jahre legt die SNB ihren Leitzins zugrunde, der für die Prognose jeweils für den gesamten Prognosezeitraum unverändert bleibt. Da der Libor per Ende 2021 abgeschafft wird, musste die SNB bereits heute, drei Jahre früher, einen Ersatz bereitstellen, um ihre Prognosen weiterhin leitzinsbasiert kommunizieren zu können.

3. Was ist der Saron und wer berechnet ihn?

Anders als beim Libor wird der Preis des Saron über eine Plattform bei der Schweizer Börse ermittelt. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich um einen Tagesgeldsatz, der – anders als der missbrauchsanfällige Libor – auf tatsächlichen Transaktionen und Preisstellungen und nicht nur auf Abmachungen zwischen den Banken basiert. Der Saron ist somit wesentlich transparenter. Das Ziel der SNB ist es, den Saron mittels geldpolitischer Aktivitäten zukünftig nah am SNB-Leitzins zu halten.

4. Was ist der Unterschied zwischen dem Saron und dem Libor?

Der Saron und der Libor unterscheiden sich vor allem in zwei Aspekten: Während der Saron auf tatsächlichen Transaktionen und Preisen basiert, wird der Libor aus den Abmachungen zwischen den Banken errechnet. Ausserdem ist der Saron ein Tagessatz, hat also eine Laufzeit von einem Tag resp. einer Nacht. Der Libor hingegen ist der Zinssatz für die Ausleihung von Geldern für eine gewisse Laufzeit, meistens drei Monate.

Trotzdem haben sich die beiden Sätze in den vergangenen Jahren auf gleichem Niveau bewegt, und sind nur ab und zu um ein bis zwei Basispunkte voneinander abgewichen. Das ist sicherlich auch dem tiefen Zinsniveau geschuldet. Im Falle einer abrupten Zinswende wäre es möglich, dass sich die beiden Sätze voneinander wegbewegen. Von einer Zinswende sind wir jedoch noch weit entfernt.

5. Wird aus der Libor-Hypothek zwangsläufig eine Saron-Hypothek?

Mit der Einführung des SNB-Leitzinses und dem darauf basierenden Saron hat die SNB klar Stellung dazu genommen, welcher Richtsatz künftig als Referenz für das Schweizer Zinsniveau dienen soll. Trotzdem ist die Ausgestaltung einer zukünftigen Geldmarkt-Hypothek von den einzelnen Hypothekarinstituten noch nicht definitiv entschieden. Eine Nationale Arbeitsgruppe (NAG) der SNB ist seit längerem dabei, die für die Finanzinstitute relevanten Details zu klären. Längst geht auch die NAG davon aus, dass der Saron den Libor als Basis für Geldmarkt-Hypotheken beerben wird. Definitiv entschieden ist das aber noch nicht. Noch stellen sich einige technische Probleme, allen voran die Entscheidung, wie der Kundenzinssatz auf Basis des Sarons genau berechnet werden soll. Denn der Zinssatz des Saron wird im Gegensatz zum Libor für einen Tag definiert, was die Bestimmung für drei- und sechsmonatige Laufzeiten zur Herausforderung macht. Die Berechnung des Zinses kann daher aufgrund der vergangenen oder der künftigen drei Monate vorgenommen werden. Beim vergangenheitsbezogenen Ansatz weiss der Kunde im Voraus, was er zu zahlen hat. Umgekehrt verhält es sich mit dem zukunftsorientierten Ansatz.

6. Wann wird von Libor auf Saron gewechselt?

Spätestens Ende 2021, wenn der Libor-Satz das letzte Mal bestimmt wird, werden die Libor-Hypotheken definitiv abgeschafft resp. ersetzt. Einige Finanzinstitute offerieren momentan keine Geldmarkt-Hypotheken, so lange die Nachfolgelösung noch nicht vollständig definiert ist. Zurzeit existiert die Saron-Hypothek nämlich noch nicht.

7. Wie gestaltet sich eine Saron-Hypothek?

Eine Saron-Hypothek ist und bleibt eine Geldmarkthypothek und wird daher eine sehr ähnliche Funktionsweise aufweisen wie die bisherigen Libor-Hypothek. Der für Sie als Hypothekarnehmer gültige Zins berechnet sich aus der Summe von Saron und der mit dem Finanzierungsinstitut vereinbarten Marge. Der Saron bildet die Grundlage und kann für die Berechnung nie kleiner als Null sein. Dazu kommt die individuelle Marge. Ein Berechnungsbeispiel:

Saron

Marge

Hypothekarzins

-0.75%

0.60%

0.60%

0

0.60%

0.60%

0.25%

0.60%

0.85%

8. Wie lange bleibt der Saron negativ?

Momentan liegt der Saron, wie der SNB-Leitzins, bei -0.75 Prozent. Die SNB äusserst sich hinsichtlich des weltweiten Wirtschaftswachstums zuletzt vorsichtig und wird den neu eingeführten SNB-Leitzins weiterhin tief halten. Wir erwarten, dass der Saron bis tief ins Jahr 2021 hinein negativ bleiben wird.

9. Wie betrifft mich die Umstellung als Besitzer einer Libor-Hypothek?

Ihr Hypothekarvertrag wird im Rahmen der vordefinierten Laufzeit (meist drei Jahre) weiterlaufen. Falls die Abschaffung des Libor, geplant 2021, dazwischen fällt, Ihre Hypothek also länger als 2021 läuft, wird sich der Basiszinssatz Ihrer Libor-Hypothek verändern. Dies bringt eine gewissen Unsicherheit mit sich. Allerdings kann auf Basis der aktuellen Erkenntnisse und Äusserungen davon ausgegangen werden, dass der Saron als Ersatz fungieren wird. Sie sollten bei einer allfälligen Anpassung des Hypothekarvertrages unbedingt darauf achten, dass die Marge unverändert bleibt. Grundsätzlich sieht der Gesetzgeber vor, dass eine solche Vertragsänderung nicht zu Ihrem Nachteil gereichen darf.

10. Was mache ich, wenn ich jetzt eine Geldmarkthypothek abschliessen will?

Schon seit einiger Zeit bieten nicht mehr alle Institute den Abschluss einer neuen Geldmarkt-Hypothek auf Basis des Libors an. Als Produkt-Alternative bieten sich Festhypotheken an. Die gegenwärtig sehr flache Zinskurve ermöglicht es zudem, mittel- bis langfristige Hypotheken zum Preis einer Libor-Hypothek abzuschliessen. Libor-Hypotheken gibt es aktuell ab 0.56%, der von MoneyPark bestverhandelte Zins für eine sechsjährige Festhypothek liegt bei 0.55%. Die Zinsen für eine dreijährige Festhypothek liegen mit 0.42% gar massiv unter den Sätzen für eine Libor-Hypothek.


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