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Die EZB öffnet die Geldschleusen noch mehr – die SNB wird wohl folgen (müssen)

12.09.2019 3:48
Die EZB öffnet die Geldschleusen noch mehr – die SNB wird wohl folgen (müssen)

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschloss an ihrer heutigen Sitzung, den Einlagensatz für Banken um weitere 0.1 Prozent von bisher -0.4 Prozent auf -0.5 Prozent zu senken. Der Leitzins verbleibt unverändert bei null Prozent. Gleichzeitig kündigte die EZB die Wiederaufnahme des Anleihenkaufprogramm an, das die Teuerung befeuern soll.

Die Resultate der heutigen Ratssitzung der EZB, die zweitletzte unter der Führung von Präsident Mario Draghi, wurden mit Spannung erwartet. Die Marktteilnehmer und Experten waren sich zwar sicher: Die EZB wird den Einlagensatz für Banken weiter senken. Darin, ob und in welchem Ausmass ein Anleihenkaufprogramm wiederaufgenommen wird, waren sich die Experten jedoch uneinig. Nun ist klar: Die EZB senkt ihren Einlagesatz für Banken, die ihre überschüssigen Gelder bei der EZB parken, tatsächlich um 0.1 Prozent auf -0.5 Prozent. Des Weiteren wird die EZB ab dem 1. November wieder systematisch Anleihen erwerben, um Staaten zu günstigem Geld zu verhelfen. Geplant ist, monatlich 20 Milliarden Euro zu investieren. Den Euro-Leitzins hingegen beliessen die Währungshüter, wie erwartet, bei null Prozent.

Diese Massnahmen begründet Draghi einerseits mit den internationalen Handelskonflikten, die die Weltkonjunktur belasten, sowie mit dem noch immer ungeregelten Brexit. Andererseits ist die durch die EZB angestrebte Inflationsrate von zwei Prozent in weite Ferne gerückt. Im August lag die Teuerung bei lediglich einem Prozent; dem tiefsten Wert seit mehr als zweieinhalb Jahren. Die weitere Öffnung der Geldschleusen soll dazu beitragen, die Inflationsrate zu erhöhen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Weitere Zinssenkung in den USA erwartet

Unabhängig des heutigen Entscheides der EZB wird gemeinhin erwartet, dass die US-Notenbank Fed nächsten Mittwoch, 18. September ebenfalls eine Leitzinssenkung vollziehen wird. Die letzte Reduktion um einen Viertel erfolgte Ende Juli, nachdem das Fed die Zinsen zuvor 10 Jahre lang nicht gesenkt hatte (MoneyPark berichtete: Fed beschliesst Senkung des Leitzinses um 0.25 Prozent).

EZB-Entscheid setzt SNB unter Druck

Wie wir bereits nach der letzten EZB-Sitzung Ende Juli prognostiziert haben (siehe: EZB reduziert den Leitzins (noch) nicht), setzt die heutige Ankündigung der EZB die Schweizerische Nationalbank (SNB) stark unter Zugzwang. Ohne Reaktion seitens der SNB wird die noch stärkere expansive Geldpolitik der EZB dazu führen, dass der Schweizer Franken weiter aufgewertet wird. Der Euro-Franken-Kurs ist in den letzten Wochen bereits auf unter 1.10 gesunken, was die SNB veranlasste, grösseren Interventionen am Devisenmarkt vorzunehmen. Diese Interventionen liegen nun mit rund 13 Milliarden über dem Schwellenwert für Währungsmanipulationen. Die beiden übrigen Kriterien (Handelsbilanzüberschuss von über USD 20 Mrd. und Leistungsbilanzüberschuss gegenüber des BIP von über drei Prozent) sind schon seit längerer Zeit überschritten. Gemäss Definition der USA ist die Schweiz damit als Währungsmanipulator klassifiziert. Die SNB sieht sich somit mit dem Problem konfrontiert, dass sie nicht unbegrenzt Euro kaufen kann, um den Druck auf den Schweizer Franken zu verringern. Sie wird daher vermutlich nicht darum herumkommen, nächsten Donnerstag, 19. September bei ihrer finanzpolitischen Lagebeurteilung eine Leitzinssenkung um 0.25 Prozent auf – 1 Prozent zu verkünden.

Einfluss auf die Hypothekarzinsen

Die Swap-Sätze in Schweizer Franken sind kurz nach Kommunikation der EZB tendenziell gesunken. Der zehnjährige Satz verlor kurz nach dieser Ankündigung acht Basispunkte, erholte sich aber anschliessend wieder. Unter Berücksichtigung, dass die Swap-Sätze im September um bis zu 30 Basispunkte gestiegen sind, ist dies eine bescheidene Reaktion und Bestätigung dafür, dass der Markt mit diesen Massnahmen gerechnet hatte.

Wir beobachten in den letzten Wochen jedoch eine verstärkte Abkoppelung der Hypothekarzinsen von den Swap-Sätzen am Markt (siehe Einschätzung Hypothekarzinsen September 2019). Es wird sich zeigen, welche Auswirkungen eine allfällige Leitzinssenkung seitens der SNB auf die Hypothekarzinsen haben wird. Wir erwarten keine grösseren Abwärtstendenzen, es sei denn, Banken beginnen damit, die Negativzinsen auf private Sparer abzuwälzen. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass dies bald flächendeckend geschehen wird.

 

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